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Kultur

Thomas Mann Gedenktafel in Nidden, Litauen

Thomas Mann Gedenktafel in Nidden, Litauen

Kulturell Interessierte zieht es besonders auf die Nehrung. Viele folgen den Spuren von Thomas Mann. Der deutsche Schriftsteller hatte in Nidden (heute Nida) ein Sommerhaus, in dem er Anfang der 1930er-Jahre wirkte. Ein Teil der Romanreihe „Joseph und seine Brüder“ ist hier entstanden. In dieser Zeit war das damalige Nidden eine Künstlerkolonie: Vor allem deutsche Künstler entdeckten das inspirierende Flair für sich. Neben Thomas Mann verbrachten auch Max Pechstein, Erich Heckel und Ernst Mollenhauer hier ihre Sommer. Der Gasthof Blode war früher der Treffpunkt dieser Künstler. Er befand sich direkt am Haff, im Norden Niddens. Heute befindet sich an dieser Stelle das Hotel Nidos Smilte. Eine Ausstellung erinnert an die Geschichte des alten Künstlertreffs.

Das Thomas-Mann-Haus zählt zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Nidas. Es vermittelt einen Einblick in die Familiengeschichte der Manns. Jedes Jahr im Juli findet in Nida das Thomas-Mann-Festival statt. Literatur-, aber auch allgemein Kulturinteressierte zieht es dann besonders hierher.

Für ethnografisch Interessierte ist die Geschichte der Bevölkerung eine Erkundung wert. Früher lebten hier die Kuren, die der Nehrung ihren Namen gaben. Sie siedelten entlang der Küste bis hinauf nach Lettland (Kurland). Die baltische Volksgruppe lebte von und mit dem Meer. Für ihre Bootsbaufertigkeiten waren sie weithin bekannt, ihre Kurenkähne ähnelten den Booten der Wikinger. Die Kurenwimpel, die man noch heute an vielen Stellen auf der Kurischen Nehrung entdecken kann, dienten als Kennzeichnung ihrer Fischerboote und gehen zurück auf einen Erlass, mit dem die Fischerei auf dem Haff rechtlichen Regeln unterworfen wurde und eine Kennzeichnung der Boote nach Ortszugehörigkeit nötig wurde.

Die Häuser der Kuren wurden in naturverbundenen Farben gestaltet – so standen braun für die Erde, blau für den Himmel und das Wasser und weiß für die Wolken und die Schaumkronen auf dem Meer. Diese Farbkombinationen greifen auch die heutigen Bewohner der Nehrung noch auf. Viele der (alten) Fischerhäuschen zeigen diese Farbgebung.

Auf dem Friedhof rund um die Kirche von Nida finden sich hölzernen Grabmale, die ebenfalls auf die Kuren zurückgehen. Sie verdeutlichen den heidnischen Glauben der Kuren und verbinden jene Symbolik mit derjenigen des christlichen Glaubens – so wurden sie zur Zeit der Christianisierung vor der Zerstörung bewahrt.

Manch einer reist aber auch auf die Kurische Nehrung, um der deutschen Geschichte bzw. der Geschichte seiner eigenen Familie zu folgen. Die wechselhafte Vergangenheit der Nehrung und des Memellandes birgt für den ein oder anderen Urlauber Kindheitserinnerungen und lässt ihn Spuren seiner Familiengeschichte entdecken. Viele benennen die heute litauischen Orte Nida und Juodkrante noch mit den alten deutschen Namen Nidden und Schwarzort.